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Loyalty-Systeme mit NFC

RFID im Blick | 03/2014

Loyalty-Systeme mit NFC

App-basiertes Bonussystem als Alternative für den Handel Loyalty-Lösungen im Handel, bei Dienstleistungen oder im Fremdenverkehr sind heute eher schon die Regel als die Ausnahme. Am Markt sind neben universellen, regional- und branchenübergreifenden Systemen wie beispielsweise der Deutschland-Card zahlreiche anbieterspezifische Lösungen des Handels, wie bei Karstadt, P&C, ATU und anderen, im Einsatz. Zudem existiert eine Vielzahl an „Insellösungen“ einzelner Anbieter wie Apotheken, Bäckereien oder Friseurgeschäften. Gemeinsam ist allen Systemen, dass die Gewährung von Rabatten, das Sammeln von Bonuspunkten und die Einlösung von Gutscheinen im Mittelpunkt stehen. In einzelnen Fällen kommen Micropayment-Lösungen dazu, die in der Regel als Debitkarte funktionieren, das heißt es kann lediglich auf im System oder auf der Karte vorgehaltene Beträge zurückgegriffen werden. Typisch ist diese Funktionalität in Fitnessclubs oder Sonnenstudios.

Von Dipl.-Ing. Jürgen Werner, Plasticard-ZFT
und Dipl.-Ing. Oliver Oertel, CipherMetrix Software & Consulting

Die sogenannten „Großanwendungen“ mit meist mehr als 100.000 Kunden greifen auf ohnehin vorhandene Payment-Infrastruktur für Giro- und Kreditkarten zurück und lassen die jeweiligen Kundenguthaben von ihren Clearing-Partnern erfassen. Dieser Weg ist kleinen und mittleren Händlern zumeist aus technischen und Kostengründen verwehrt. Anwender dieser Größenklasse verwenden deshalb zumeist das eigene Kassensystem, soweit dieses eine Loyalty-Funktionalität besitzt oder eine Ankopplung zulässt. Wo auch dies nicht möglich ist, bleibt die Nutzung einer Parallelstruktur, die beispielsweise aus kleinen, preiswerten Kartenterminals mit oder ohne Online-Fähigkeit bestehen kann.

NFC und Smartphones schaffen völlig neue Möglichkeiten

Die Idee von Paymentlösungen mit NFC-Mobile-Phones sind vermutlich so alt wie die NFC-Idee selbst, trotzdem stehen diesem Ansatz zahlreiche Probleme entgegen. Das größte ist die Marktdurchdringung mit NFC-fähigen Handys selbst. Vorübergehend kann dieses Problem mit NFC-Stickern auf dem Mobiltelefon überwunden werden, langfristig wird die Verwendung eines Stickers schon wegen der fehlenden Pluralität keine Akzeptanz finden. Ungeachtet dieser Hemmnisse spricht fast alles für die Verwendung von Smartphones für Loyalty-Systeme. Bereits ohne NFC ist das Smartphone mit großem Display, WLAN, UMTS, Kamera, Bluetooth, GPS und einfacher, intuitiver Bedienung ein perfektes Kommunikationsendgerät. Mit eingebautem NFC-Reader wird es wahlweise selbst zur RFID-Karte, zum Schlüssel oder auch zum Terminal. Genau diese Eigenschaft wird für eine innovative Loyalty-Lösung genutzt. Dabei wird das NFC-fähige Handy oder -Tablet je nach Bedarf zum Kartenleser, Terminal oder zur Kasse. Erster Vorteil dieser Lösung sind die dramatisch geringeren Hardwarekosten, zumal auch bereits vorhandene Geräte durch Laden einer entsprechenden App zum Loyalty-Terminal werden können.

Noch wichtiger ist die gewonnene Mobilität, durch die sich auch neue Anwendungen, beispielsweise bei Events erschließen lassen. Es beginnt bei der sicheren Einlasskontrolle mit Besucherstatistik und beliebig skalierbaren Nutzerzahlen, setzt sich fort über das Einlösen von Coupons über QR-Codes und die eingebaute Kamera und endet bei dem bargeldlosen Bezahlen bei fliegenden Händlern. 

Für die Nutzung mobiler Endgeräte mit NFC spricht darüber hinaus, das die jeweilige Anwendung ohne hohe Einstiegshürden auf für lokal agierende Kleinanwender (beispielsweise mit nur einem Geschäft), für Händlervereinigungen (wie City-Card-Projekte) oder für dezentral agierende kleine Verbünde wie sie bei Backshops, Fleischerfachgeschäften oder Fitness-Studios üblich sind, einsetzbar ist. In allen Fällen genügt ein Hintergrundsystem, das per WLAN oder andere Netzwerk-verbindungen erreichbar ist, um die notwendigen Funktionen und die überregionale Datensynchronisation sicherzustellen.

Server, Tablet, Smartphone

Anwendung mit über 250 Stores in der Modebranche

Oliver Oertel nutzt das vorgestellte Prinzip für einen Kunden, der mehrmals im Jahr saisonale Kollektionen über einen begrenzten Zeitraum abverkauft. Dabei dürfen aus rechtlichen Gründen nur berechtigte Endverbraucher, die einem Kundenclub angehören, einkaufen. Es bestand also die Aufgabe, die Identifikation der Clubmitglieder zu ermöglichen und zu dokumentieren sowie zugleich pro einzelnem Store die Verkaufsprozesse und Kundenbindungsmaßnahmen mit diesem System abzubilden. Dafür sollte trotz einer hohen Zahl von über 250 Stores unter einem Dach der Investitionsaufwand möglichst gering gehalten werden. Für die Mitglieder des Kundenclubs sollte eine attraktive, aber preiswerte RFID-Kundenkarte bereitgestellt werden, die in allen Stores sowie in dem zum Haus gehörenden Restaurant verwendet werden kann. Gelöst wurde dieses Problem mit einer Android-basierten App und einem Hintergrundsystem, von dem Datenbanken für die Kunden-, Artikel- und Storeverwaltung bereitgestellt werden. Kommuniziert wird im Regelfall via WLAN, alternativ ist auch UMTS oder Edge ausreichend. Der Kunde erhält eine Kundenkarte mit Mifare classic, die ausschließlich für die Identifikation verwendet wird. Der Status des Kunden, gegebenfalls weitere Informationen zu bereits getätigten Umsätzen, Boni oder Geldguthaben werden aus dem Hintergrundsystem in Echtzeit geladen. Die verwendeten mobilen Endgeräte können jeweils bestimmten Stores zugeordnet werden und gegebenenfalls über ein Rechtemanagement für bestimmte Funktionalitäten freigeschaltet werden, beispielsweise als Kasse. Durch die softwareseitige Zuordnung der Geräte und die Mandantenfähigkeit des Hintergrundsystems kann jeder Store eigenständig agieren. Werden mehrere Labels vertreten, sind getrennte oder gemeinsame Kassenabschlüsse möglich.

Erweiterbare Nutzungsfunktionen

Dieses Prinzip erlaubt auch die problemlose Skalierung auf weitere Stores, die an anderen Orten ansässig sind, und auf gleiche Warensortimente und Kunden zurückgreifen wollen. Auch die Implementierung weiterer Funktionen wie die Aufbuchung von Boni zur Nutzung im hauseigenen Restaurant oder das Scannen von Coupons, die im Direktmarketing verteilt wurden, ist ausschließlich durch Softwareergänzungen realisierbar. Eine webgestützte Auswertung der aggregierten Verkaufsdaten ermöglicht parallel zielgruppengenaues Marketing und die Klassifikation und Selektion einzelner Kundengruppen. Kunden können sofort beim ersten Besuch erfasst und mit ihrer Kundenkarte ausgestattet werden und auch selbst von zu Hause ihre Kaufvorgänge und gesammelten Boni nachvollziehen. Eine Anschaffung von Kassen, Scannern und Netzwerkkomponenten entfällt. Mit dieser Entwicklung ist eine interessante und kostengünstige Alternative zu herkömmlichen Loyalty- und Bezahlsystemen entstanden, die als Insellösung nur sehr niedrige Einstiegsschwellen überwinden muss.